Projekt "HÄUSL"

FERIEN AM WALD
lIdyllisch eingebettet in die niederösterreichischen Kalkalpen liegt die Streusiedlung Waidmannsbach. Zwischen Bachufer und Fichtenwald – als hätte der aus der unmittelbaren Umgebung stammende Maler Friedrich Gauermann diese Szenerie selbst in eines seiner Bilder verankert – steht ein kleines Bauernhaus, dessen Ursprünge beinahe 200 Jahre zurückreichen. Heute wird es bereits in dritter Generation bewohnt und von seinen Bewohner:innen liebevoll „HÄUSL.“ genannt.


In den letzten Jahrzehnten wurde der Bausubstanz durch zahlreiche Anbauten, Versuche der Instandsetzung, aber vor allem durch drückendem Hangwasser zugesetzt. Um die charmante Anmutung des Bestandes weiter zu bewahren und es dennoch vor äußeren hangseitigen Einflüssen zu schützen, benötigte es sensible aber zugleich kompromisslose Eingriffe in die tragende Struktur.


Das „HÄUSL.“ wurde zunächst von sämtlichen nachträglich errichteten Zubauten, als auch von den Resten seiner dem Berg zugewandten Längswand befreit. Die von Erosionen betroffene Hangnarbe zwischen Bestandsgebäude und porösem Fels wurde mit einem 15 m / 2,4 m / 4,5 m messenden Zubau geschlossen. Die Erweiterung fungiert künftig als Sicherung des Hanges, leitet kontrolliert das Hangwasser ab und dient zugleich als zusätzliche Wohnfläche. Nach der Neustrukturierung des Bestandes bildet das Zentrum heute wie damals eine bäuerliche Stube. Über diesen zentralen Treffpunkt gelangt man in einen Schlafraum im Norden sowie einen weiteren, nahezu baugleichen, im Süden. Durch eine klar ablesbare Fuge zwischen Neu und Alt werden die bestehenden Räumlichkeiten jeweils um knapp 2 m in den Hang erweitert. Die Stube ergänzt eine neue Küchenzeile und die Schlafräume erhalten jeweils eine eigene Sanitäreinheit. Licht gelangt aus Westrichtung durch instandgesetzte Kastenfenster in das Innere des Bestandes und im Zubau über von oben durch stringent angeordnete Flachdachverglasungen. Im Zusammenspiel wird so eine Querdurchlüftung und Belichtung aller Räume gewährleistet.


Der Materialkanon wird außen als auch innen von der klaren Kontur zwischen Bestehendem und neu geschaffenem bestimmt. So finden sich im Bestand weiß gekalkter Putz, aufgearbeitetes Fichtenaltholz und brünierter Stahl. Im Kontrast dazu, sandgestrahlter Beton, schwarzer Gussasphalt und geschliffener Edelstahl im Zubau. Durch die technische Lösung einer Kerndämmung lässt sich der Zubau auch formal an der Fassade, ebenfalls in Form von gestrahltem Beton, ablesen.

 

PROJEKTINFORMATIONEN
Ort l Waidmannsbach, Österreich
Bauaufgabe l Sanierung und Erweiterung eines Ferienhauses
Grundstücksfläche l 648 m²
Nutzfläche l Bestand 50 m² / Zubau 25 m²
Planung l 2023-2024
Bauzeit l 2024-2026

 

Bildcredits: MW-Architekturfotografie
Plancredits: STEINBAUER architektur+design

Planung

STEINBAUER architektur+design

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